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Verschwörung? Ohne mich?

Artgenossen! Nur im Schutze des 1. April ist mir die nachfolgende Meinungsäußerung möglich: Deutschland hat sich verschworen! Ganz Deutschland? Nein, nicht ganz Deutschland. Eine meinungsstarke Mehrheit von 52 Prozent leistet mutig Widerstand.

Obwohl Gesetze und Verordnungen erlassen, Beauftragte und Abteilungen dagegen mobilisiert wurden, Lehrstühle, Studien und Statistiken dafür in die Welt gesetzt worden sind, die Verschwörung scheint nicht zu stoppen.

Manche mögen längst ahnen, worum es geht. Für Ahnungslose sei das Phänomen hier entlarvt: Der antifeminie Affekt, die misogyne Weltverschwörung.

Eine Bevölkerungsminderheit hat sich zusammengetan, um die Bevölkerungsmehrheit systematisch von den Fleischtöpfen fernzuhalten oder an die Fleischtöpfe und damit den heimischen Herd zurückzuschicken.Ich bin mir da nicht so sicher. Ich war nämlich nicht dabei, als “die” Männer sich verschworen haben. Wahrscheinlich war ich am Schreibtisch, vor dem Fernseher oder bei einer Kulturveranstaltung.

Auf jeden Fall mache ich da nicht mit. Ich bin nicht zu überzeugen, dass es eine wie auch immer motivierte oder durch eine biologisch determinierte Verschwörung “der” Männer zur Diskrimierung “der” Frauen gibt. Es kann sein, dass Einzelpersonen andere Einzelpersonen diskriminieren. Ich bin aber nicht davon überzeugt, dass dabei die primären oder sekundären Geschlechtsmerkmale zwangsläufig ursächlich für die Diskriminierung sind. Die Forschung zur Diskriminierung “der” Frauen sucht nach meinem Eindruck mit einseitigem Erkenntnisinteresse nach Belegen für ihre Behauptung, ignoriert Indizien, die gegen die These sprechen, und akzeptiert dabei apodiktisch eine heteronormative Bipolarität menschlicher Geschlechtlichkeit, die verhaltensleitend sei.

Die Hirnforschung dagegen sieht keine signifikanten Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen. Mehr noch: Sie hält jedes Gehirn für einzigartig.

Es soll sogar Männer geben, die denken, manchmal sogar ähnlich Denken wie Frauen und weniger wie ihre Y-fachen Kameraden.

Ich bleibe Anhänger des normativen Individualismus. Ich halte nichts davon, Menschen nach ihrer Gruppenzugehörigkeit zu beurteilen oder gar alte Diskriminierungen nach Schubladen durch neue zu ersetzen. Ich halte aber auch bekannte Tatsachen zum “Problem Mann” nicht für trivial. Auf jeden Fall nicht für so trivial, dass man es auf dem Niveau der 1970er Jahre diskutieren sollte.

Die Mehrheit der Inhaftierten sind Männer. Wo ist die Selbstmordrate am höchsten? Bei den Männern. Und deshalb muss unbedingt mehr getan werden – und zwar für die Frauen. Warum? Nach allem, was wir wissen, sind wohl alle Mütter Frauen. (Unfassbar: Selbst Alleinherrscher wie Nero und Napoleon sollen von Frauen geboren worden sein.) Die Bildung und Erziehung in Kitas liegt zu weit über 90 Prozent in weiblichen Händen. Selbst in der Grundschule sind die weiblichen Lehrkörper in der Mehrheit. Und doch erzieht all diese Weiblichkeit ihren männlichen Nachwuchs offenbar zu Diskriminierung, Gewalttätigkeit, Kriminalität und Lebensmüdigkeit.

Da stimmt doch etwas nicht. Sie finden das lächerlich? Tun Sie sich keinen Zwang an. Mir wäre lieber, jemand könnte erklären, wie es trotz des großen Einflusses durch Frauen zu solch bedauerlichen Phänomenen kommt. Wenn der Mensch keinen freien Willen hätte, wäre es ganz schlecht um uns bestellt. Dann könnten zum Beispiel Männer gar nicht anders als sich in die Rolle des Unterdrückers und Frauen gar nicht anders als sich in die Opferrolle gedrängt sehen. Diesem betrüblichen sexistisch-biologistischen Determinismus möchte ich aber keinen Raum geben.

Ich möchte mich nicht für alle gruppenspezifischen Diskriminierungen verantwortlich machen lassen, nur weil ich einer Gruppe, z.B. der weißen mitteleuropäischen Männer, zugerechnet werde, auf der angeblich die Erbsünde der Diskriminierung, Kolonialisierung und Unterwerfung lastet. Obwohl ich zu alledem nichts beigetragen habe und mir schon mit Blick auf meinen Blutdruck jede Neigung zu den genannten Verhaltensweisen fehlt.

Ich ziehe mich auch nicht unter die „gläserne Decke“ zurück, die angeblich Frauen von höheren Aufgaben in Leitungsgremien von Unternehmen abhält. Von einem gläsernen Fußboden, der Frauen von der Tätigkeit im Tief- und Bergbau abhält, halte ich allerdings auch nichts.

Vielleicht tun wir einmal etwas ganz Verrücktes: Wir bewerten Individuen nach ihren herausragenden individuellen … Fähigkeiten. Dabei mag manche Einzelperson durch ihre evolutionär einseitig auf Erbgutübertragung entwickelte Disposition von mancher Äußerlichkeit abgelenkt werden, aber es lohnt sich.

Und während ich weiter darüber nachsinne, weshalb ich zur Hauptversammlung der frauenfeindlichen Weltverschwörung aller Träger des Y-Chromosoms nicht eingeladen wurde,läuft mein Radio. Milva singt: „Wer wird als Mann denn schon geboren? Man wird zum Mann doch erst gemacht.“ Oder so ähnlich.