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Der Staat: Opium für das Volk.

Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, daß ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte.

Dieser Satz von Friedrich Hölderlin ist von überzeitlichem Wert. Was hat er heute noch zu bedeuten?

Mit der Emanzipation westlichen Demokratien von der Staatsreligion ist manchem der Staat zur Religion geworden. Die Sozialisten haben den Allmächtigen im Himmel durch die Allmächtigen in Moskau, Havanna und Pjöngjang ersetzt.

Das Opium für das Volk entströmt heute vielfach nicht mehr Kirchen und religösen Schriften, sondern Parlamenten, Gesetzen und Verordnungen. Das Streben die Glückseligkeit schon im Diesseits zu erzielen, treibt sendungsbewusste politische Kräfte zu Höchstleistungen an.

Immer neue Wohltaten gehen mit sanftem Erziehungsmaßnahmen zu richtigem staats- und damit gottgefälligem Verhalten einher. Diese unfreie und damit höllenähnliche Gesellschaft empfindet sich keineswegs als unfrei. Das liegt sicher daher, dass der moderne Staat seine Autorität weniger mit vorgehaltener Waffe als vielmehr durch angereichte Geldmittel sichert.

Jedem geht es darum, das Maximum aus dem Staat herauszuholen. Als verwerflich gilt dagegen, dem Einzelnen das Maximum vom Ertrag seiner Arbeit zu belassen. Schließlich muss die Volksbeglückung finanziert werden.Der notwendige Aderlass geht dabei längst über das zur Selbstorganisation einer modernen Massengesellschaft hinaus. Strebte die Arbeiterschaft früher im Ideal ihrer überwiegend bürgerlichen Führung nach der Überwindung der Abhängigkeit von Dritten, wird heute das Wohlgefühl der Abhängigkeit von der Res Puplica als erstrebenswert betrachtet.

Selbst erwirtschaftetes Eigentum macht friedlich, hieß es einmal. Heute treibt staatliche Alimentation dem Menschen Leistungs- und Wettbewerbswillen aus. Die Revolution von oben hat ganze Arbeit geleistet. Das Streben zum Erbadel von einst ist durch das Lebensziel Amtsadel ersetzt worden. Mehr und mehr Landeskinder wünschen sich den Beamtenstatus als Lebensversicherung. Selbständigkeit und Unabhängigkeit sind aus der Mode.

Regierung und Beamten, die im Selbstbild aller Sozialisten allwissenden Gesellschafter eines Landes, dulden keinen Zweifel an ihrer Macht. Sie zeigen in ihrer Regelungsbegeisterung und ihrem Steuerungswillen unendlich viel Einfallsreichtum, der auch Allmachtsfantasien vermuten lässt. Mindestens Vorformen von Megalomanie scheinen totalitären Gedankengebäuden eigen. Wie harmlos sind dagegen Allmächtige, die (vielleicht) aus der Ferne wirken – oder eben nicht.

Der Sozialismus steuert alles und jeden. Er muss deshalb auch alles wissen. Er ist allergisch dagegen, wenn sich jemand eigenständig bewegen möchte, möglicherweiße sogar außerhalb der Volksgemeinschaft.

Das schleichende Schlafmittel Sozialismus lässt die Geführten das Bewusstsein verlieren, insbesondere für die individuelle Verantwortung, bis sie sich nichts mehr zutrauen. Die wissende Führung dagegen traut sich alles zu. Der Sozialismus ist deshalb mehr als eine Geisteshaltung. Er ist eine Geisteskrankheit. Da hatte Friedrich August von Hayek wohl recht. Das Gegenmittel ist schwer zu vermitteln. Es ist eher eine Verhaltenstherapie, die zur Freiheit ertüchtigt: Das Selbstvertrauen des Einzelnen ist zu stärken und das Selbstvertrauen staatlicher Lenker durch aufmerksame Kontrolle und Kritik zu erden.