Regierungslos glücklich?

Die öffentliche Meinung in Deutschland ist panikanfällig, meist ohne Grund. Aktuell geht die Auffassung um, lange Sondierungsgespräche zu eine Koalition seien schädlich. Den Beweis zur Behauptung hat noch niemand geliefert. In Belgien und den Niederlanden dauerte die Regierungsbildung wesentlich länger, in Den Haag zuletzt sieben Monate. Beide Länder lebten trotzdem fort. Vielleicht haben sie die Regierungspause vielleicht sogar genossen. Die beinahe regelungsdichte Republik muss es nicht bedauern, wenn die Regelungsstrickmaschine mal nicht auf Hochtouren läuft. Ein selbstbewusstes Parlament könnte beim Notwendigen auch mit einer geschäftsführenden Regierung agieren. Die Verfassungsväter bewiesen da vielfach mehr Fantasie als ihre Interpreten entwickeln wollen. Vielleicht unterscheidet sich eine künftige Regierung im Bund wenig von der lust- und mutlosen bisherigen Großen Koalition ohne Gestaltungswillen oder der gepflegt-abseitigen Langeweile des Berliner Senats. Der macht doch nichts. Der will doch nur regieren. Das kann den, der Veränderung will, nur trösten, wenn er sicher ist, dass damit wenigstens kein neuer Unsinn herbei regiert wird. Schönes Wochenende.