Heiden-Aua

Warum toben die Heidenauer? Oder wenigstens einige besonders missratene Exemplare unter ihnen? Das wissen wahrscheinlich nur die zeitreichen Pöbler, die tagsüber auf den Straßen herumlungern, um missliebige Mitbürger zu beschimpfen. Bei der Gelegenheit: Wo ist eigentlich die “Antifa”, wenn in Flüchtlingsheimen helfende Hände und nicht nur Krawallverstärker gefragt sind? So viele Fragen, über die ich bei “Warum toben die Heiden?” von Felix Mendelssohn-Bartholdy nachsinne. Er war ein Protestant mit Migrationshintergrund und Wurzeln in einer religiösen Minorität und deshalb von braunen Sozialisten aus dunkeldeutscher Zeit verboten. Lieblingstextzeile: “Du sollst sie mit eisernem Szepter zerschlagen.” (Liebe Kinder: Bitte nicht nachmachen.) Ich hoffe, das provoziert bei deren volkszornigen Seelenverwandten jetzt kein traumatisierendes Heiden-Aua.

Schmerzhaft ist das Video, das nach dem Besuch der Kanzlerin in Heidenau das Netz erreicht hat.
Auf erstaunlich niedrigem Sprachniveau demonstriert ein weiblicher Zaungast (m/w/?) sein Problem. Die Lautsprecherin, nennen wir sie Frau Unmut, gibt den wohlfahrtsverwahrlosten PISA-Opfern eine Stimme. Leider ist der Bedarf an solchen Furien auf dem Arbeitsmarkt sehr überschaubar. Deshalb sieht sie sich wohl im Wettbewerb um einen Arbeitsplatz oder auch nur Sozialtransfers gegenüber Flüchtlingen im Nachteil. Die Exilsuchenden haben ihre intrinsische Motivation, Leistungsbereitschaft und Stressresistenz vielfach durch eine Anreise unter Lebensgefahr bewiesen. Frau Unmut dagegen hat offenbar nur den kurzen Weg vom Fernsehsessel bist zur Polizeisperre auf sich genommen. Sie scheint alle ihre Energie auf den Kehlkopf zu konzentrieren, wo auch in der Wohlstandsgesellschaft mehr Kopf gefragt wäre.