Der „liberale Zentrumssozi“ feiert 70. Geburtstag

Heute feiert die CDU ihren 70. Geburtstag. Im Beisein der Bundeskanzlerin und Parteivorsitzenden Angela Merkel. Die große Leistung der Union war bei ihrer Gründung, dass sie die konfessionelle Spaltung des deutschen Konservatismus überwunden hat.

Der Kanzerinnenwahlverein muss seine Identität finden und kämpft um Inhalte. So will mit der Union Antworten auf Digitalisierung und Demographischen Wandel geben.

Was das heißt, haben wir bereits erleben dürfen: Die Vorratsdatenspeicherung stellt die Möglichkeiten der Datenverarbeitung in den Dienst der konservativen Angst um die Sicherheit. Die Bevölkerungsentwicklung und – alterung ist kein ganz neues Phänomen. Sie wird seit Jahrzehnten als „aktuelles Thema“ diskutiert. Sie sollte nicht als Bevölkerungspolitik missverstanden werden, die nach aller Erfahrung und Beobachtung ohnehin nicht funktioniert. Wichtiger wäre es, die sozialen Sicherungssysteme so zu gestalten, dass sie unabhängig von der Frage funktionieren, ob Menschen sich vermehren können oder wollen. Beim Schutz von Ehe und Familie hat sich die Union von der Haltung der evangelischen Kirche abgekoppelt. Da folgt die CDU eher der katholischen Amtskirche.

Die Union rühmt sich der Verbindung von Konservativem, Sozialem und Liberalem. Im Einheitsbrei der Volkspartei ist tatsächlich für jeden etwas geboten, der es anstelle von Prinzipien lieber etwas „pragmatischer“ hat.

Ich wünsche der Union zu ihrem 70. Geburtstag, dass sie ihre konservativ-kollektive Identitätsschwäche überwindet. Dazu muss die Union ihre Führungsperson einmal wegdenken. Also den Fall imaginieren, dass es sich einmal ausgemerkelt hat.

Vielleicht verzichtet die Union künftig auf Geschäfte mit der Angst und setzt nicht mehr auf gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Neben den Glauben an Gott, wäre auch das Bekenntnis zur Marktwirtschaft, wie es Ludwig Erhard auch ohne CDU-Parteibuch vertreten hat, hilfreich. Sozialdemokratisches Denken hat Deutschland genug.