Archiv für den Monat: August 2014

Sandkastenspiele?

Es ist zum verzweifeln: Da besucht man Jahrzehnte lang Bibelkreise, absolviert Ostermärsche, bildet Friedenskreise und trotzdem lässt sich die Terrororganisation Islamischer Staat nicht zu einem Straßenfest mit Jesiden bewegen.

Bei der Gelegenheit: Was macht eigentlich die friedenstrunkene Spitzentheologin Margot Käßmann? Arbeitet sie an Vorträgen mit neuen Beschwörungsformeln, die in den saturierten Milieus am Berliner Kreuzberg Luthers These widerlegen, dass evangelische Christen einzig durch die Gnade Gottes in den Himmel gelangen und nicht durch gute Werke? Wird das die Geschäfte derer gefährden, die zur Biokost das gute Gewissen als Beiwaage offerieren? Wir wissen es nicht. Nichts ist gut in der Bundesrepublik könnten die Pauschalvereinfacher von komplexen Zusammenhängen sagen.

Es ist nicht gerecht. Da versucht man seinen Verzöglingen jahrelang beizubringen, dass man den Sandkastenkameraden durch gutes Zureden davon abbringen soll, dass er einem mit seiner Schaufel auf den Kopf schlägt und was passiert: Die lieben Kleinen sehen irgendwann Nachrichten und stellen fest, dass gewaltbereite Minderheiten mit gut gewählten Gesinnungen und ebensolchen Worten nicht aufzuhalten sind.

Mit Händchenhalten ist die Existenz bedrohter Völker nicht zu sichern. Also müssen wieder die Amerikaner ran. Die Deutschen übernehmen indess die schwierige aber eingeübte Aufgabe des moralischen Beistands. Doch halt! Plötzlich meldet der inzwischen abschließend resozialisierte ehemals grüne Außenminister Joseph Fischer Zweifel an:

Er rät zu Waffenlieferungen für die Kurden im Irak. Eben noch hat die moralisch entrüstete politische Klasse “Keine Waffen in Krisengebiete” gefordert. Nun möchte sie sich nicht unterlassene Hilfeleistung vorwerfen lassen. Ob nur britische, französische oder US-Waffen der Deutschen reines Gewissen retten sollen, bleibt indes ungeklärt.

Einzig Friedensengel Gabriel nimmt ein Vollbad in Unschuld:

Warum sollten die strengen Ausfuhrbestimmungen nicht weiter verschärft werden, wenn es einen guten Eindruck macht. Warum auch sollte eine führende Industrienation Frieden und Wohlstand mit Waffen verteidigen, die im eigenen Land produziert wurden? Auch China und Russland haben doch erhebliche Expertise in diesem Bereich. Dem eigenen ruhigen Gewissen muss die Unabhängigkeit der landeseigenen Waffentechnik bei Produktion und Know-how weichen. Die hiesige Wehrtechnik sichert doch nur 200.000 Arbeitsplätze. Damit ist die Branche im Vergleich etwa zum Heer der Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst relativ wenig personalintensiv. Bundeswehr und Polizei können doch Fahrradbatallione bilden und Gefahren durch das Hochhalten von (Schein-)Heiligenbildern abwehren, wenn es keine Waffen aus dem Osten sein sollen. Die Bundesrepublik muss sich ihre Handlungsfähigkeit als wehrhaften Demokratie erhalten. Bedrohungen für die Verfassung lassen sich nicht weg reden.

Gesinnungsethiker machen es sich um ein vielfaches einfacher als Menschen, die sich einer Verantwortungsethik verpflichtet sehen. Man kann auch schuldig werden, durch das, was man unterlässt. Irakischer Wüstensand passt nicht in die Sandkästen Berliner Spielplätze, die fernab der Realität liegen.