Archiv für den Monat: März 2014

Mir nach, ich folge Euch.

Als FDP-Mitglied macht man eine ganze Menge mit. Warum also nicht einmal den Versuch wagen, die FDP als Mitmachtpartei zu profilieren? Keine schlechte Idee. Die Mitmachaktivitäten der FDP waren Teil des Wahlerfolgs von 2009. Schon seit 2002 hat die FDP ihr Wahlprogramm mit Hilfe des noch jungen Internets der breiten öffentlichen Debatte zugeführt. Das förderte den Dialog mit Interessenten und Sympathisanten, alten und neuen. Nach 2009 brach dieser Dialog ab. Es gelang nicht, ihn wieder aufzunehmen.

Und doch fehlte es nie an den Angeboten und der Einladung, sich einzubringen. Die Aufforderung, sich in die eigenen Angelegenheiten, die immer auch politisch sind, einzumischen, ist nie verstummt. Trotzdem haben nie mehr als zwei Prozent der Wahlbevölkerung den Weg in die Parteien gefunden.

Demokratie lebt vom Mitmachen. Das wusste schon Theodor Heuss, der liberale erste Bundespräsident. Was aber hält Normalbürger ab, sich am Ende eines Arbeitstages dem politischen Ehrenamt zu widmen? Die Rituale der parteipolitischer Selbstverwaltung? Langatmige Statements von Menschen, die anderswo nicht gehört werden oder nichts zu sagen haben? Diskussionen die zwischen „Da müsste man mal was tun“ und „Gut, dass wir darüber gesprochen haben.“ ohne Ergebnis bleiben, entfalten wenig Attraktivität. Schon gar keine für Menschen, die gewohnt sind, Resultate zu erarbeiten. Politische Selbstbefriedigung braucht niemanden, der bei ihr mitmacht. Sie ist sich selbst genug. Sie richtet sich auch nicht nach Außen. Sie dient und versichert sich ihrer eigenen Relevanz und Existenz.

Der Phantomschmerz verflossener Macht hält bei Manchem lange an. Man ist auf sich selbst zurückgeworfen, will sein Leid teilen und fordert zum Mitmachen auf. Das scheint menschlich verständlich. Wem es aber nicht gelingt, eine Perspektive aus dem eigenen Jammertal aufzuzeigen, der wird außer Depressionsgeneigten niemandem zum gemeinsamen Tun animieren.

Solange das Nachdenken über das Mittun nur nach den Mittel der Partizipation fragt, niemals aber nach dem Zweck dieser Aktivitäten, wird es keine Anziehungskraft entwickeln. Politische Parteien sind Gesinnungsgemeinschaften. Die liberalen Prinzipien stehen seit Jahrhunderten fest. Sie müssen nicht neu erfunden, sie müssen mit Blick auf die Alltagsprobleme der Menschen, nicht nur der Parteimitglieder, interpretiert und angewendet werden.*

Was wohl passierte, wenn einer riefe: “Wer bei den Liberalen in der Vergangenheit am Mitmachen gehindert wurde, möge vortreten.”? Ob sich da mehr bewegte als einzelne, die eine Abstimmungsniederlage als Signal des Ausschlusses vom Mitmachen missinterpretiert haben?

Mitmachen kann helfen Feuerholz zu sammeln. Aufgabe politischer Führung ist es, feuchtes Kleinholz, das nicht brennt, von gut geeignetem Brennmaterial zu scheiden. Dieser Prozess kann und sollte demokratisch gestaltet werden. Sicher. Der zündenden Funken aber, der das wärmende Feuer zum Aufflammen bringen soll, braucht einen, der ihn schlägt. Führungskräfte, die andere um Feuer bitten, das sie selbst nicht haben, können sicher verwalten. Das aber ist zu wenig, wenn Begeisterung und Gestaltung gefragt ist.Was wirklich fehlt? Ein bisschen Haltung, ein bisschen Werte, und dass die Leistung gewürdigt werde …

* Ist die Aufforderung zum Mitmachen also nur ein orientierungsloser Hilferuf derer, die sich ihres Auftrags und ihrer Ziele nicht mehr bewusst sind, die wohl die Prozesse der politischen Statuten zu nutzen wissen, aber gar nicht wissen, welche Idee die Statuten fördern sollten? „Er ruft sein Volk zu Hilfe.“ Dem einen klingt das als Signal, er werde gebraucht und sei gefragt. Dem anderen ist es ein irrlichterndes Armutszeugnis und Eingeständnis der Ratlosigkeit des Appellierenden. Es bleibt richtig: Keiner weiß mehr als alle. Und doch bedeutet Führung mehr als Moderation. Was eigentlich soll moderiert werden? Hohle Rituale? Der Commentkampf der Ideen- und Machtlosen? Die entscheidende Frage ist also: Mitmachen wobei? Bei Machtdemonstrationen gelenkter Demokratie bei denen Truppen, die doch aus intelligiblen Menschen bestehen, wie Verfügungsmasse hin und her geschoben werden, weil man ihnen nicht zutraut, ihre Denkfähigkeit auch zielgerichtet einzusetzen? Oder doch eher der fruchtbare Diskurs über den richtigen Weg zu mehr Freiheit zu mehr Menschen.