Archiv für den Monat: Februar 2014

Gefährliche Geschwätzigkeit

In Berlin wird aktuell um den ersten Platz in gefährlicher Geschwätzigkeit gekämpft. Die unfreiwilligen Anwärter auf diese zweifelhafte Auszeichnung tummeln sich aktuell in allen Regierungsparteien. Die “Spitzenpolitiker” dort weisen sich gerne gegenseitig den ersten Rang in dieser Disziplin zu. Mit Disziplin freilich hat die Berliner Brabbelei nichts gemein. Sie ist eher Ausdruck weitverbreiteter Wichtigtuerei,die die Bedeutung des Gesprächigen unterstreichen soll,aber meistens nur dessen beschränkten Horizont offenbart.

So wird ein ehemaliger Innenminister, der sich gegenüber leichtgläubigeren Mitmenschen gerne als Retter der Republik verkauft, durch seine vorlauten Hinweise an die SPD zur tragischen Figur und verdient sich den zweifelhaften Ehrentitel “Friedrich der Doofe”. Der sonst so selbstgefällig richtende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann wird von den Parteifreunden Friedrichs zur Unterwerfungsgeste gezwungen und leistet öffentlich Abbitte für seine verbale Inkontinenz.

All das ist wieder einmal bestens geeignet, die Republik über Wochen in Atem zu halten und diejenigen zu beschäftigen, die davon leben, keinen Vorgang nicht noch vor seinem Ende zu beurteilen und das, worüber sich im Regierungsviertel mancher das Maul zerreißt, auch noch zu Zeitungspapier zu bringen und auf die Bildschirme zu bannen. Ich fasele, also bin ich, scheint die Maxime. Solange sich die politische Klasse mit der heißen Luft befasst, den sie selbst produziert, die manchen wegpustet, bleiben die entscheidenden Fragen vielfach auf der Strecke. Warum sich auch mit komplexen Zusammenhängen der Zukunft der sozialen Sicherungssysteme befassen, wenn die Sicherung der eigenen sozialen Zukunft die Medien auch beschäftigt und so wenig Erklärungsanstrengung benötigt? Jeden Tag passiert nicht mehr als in eine Zeitung geht, wusste schon Karl Valentin. Warum also nicht weiter ablenken und die wirklichen Probleme vergessen machen? Wenn die Republik keine anderen Probleme hat als die Frage, ob ein Spitzenpolitiker für 700,00 Oktoberfestspesen zu haben ist.(Was die Justiz in Niedersachsen unter Aufwendung eines Vielfachen dieser Summe nun verneint hat.)Oder ob der Skandal um einen SPD-Politiker wirklich die Staatskrise bedeutet hätte, wenn der nicht von – siehe oben – verhindert worden wäre (Was nur für CSU und SPD eine ausgemachte Sache war.), scheint die Welt in Deutschland in Ordnung.

Immerhin steht es jedermann frei, sich auf eine beliebig zu wählende Art lächerlich zu machen. Und so hat die Geschwätzigkeit wenigstens einen allgemeinen Erkenntniswert, die sich in die alte Weisheit gießen lässt: Stell Dir vor, Du bist dumm und jeder merkt es.
Selig die nichts zu sagen haben und trotzdem den Mund halten.