Es gibt immer eine Alternative – Sie muss gar nicht so heißen

Immer wenn sich in der deutschen Parteienlandschaft etwas bewegt, kennen Vertreter der schnellgefassten Meinung sofort die Gewinner und Verlierer: Erst kamen die Piraten, dann kam die AfD und beide Male hieß es: Das wird der FDP Schwierigkeiten machen. Als ob die Liberalen dazu politische Mitbewerber brauchten.

Aber ernsthaft: Die Piraten galten als liberal, solange sie sich nicht zu wirtschaftspolitischen Fragen äußerten. Als sie begannen, Gratismentalität (unentgeltlicher ÖPNV) und staatlich subventionierten Müßiggang (Bedingungsloses Grundeinkommen) zu propagieren, zeigte sich, dass sie mit den liberalen Gedanken der Leistung und der Verantwortung gar nicht anfangen können. Nachdem sich nun die Piraten erledigt haben, sehen Journalisten und selbst heimatlose Liberale die Alternative für Deutschland als freiheitsorientierte Konkurrenz. Grund für dieses Missverständnis sind unter anderem Äußerungen einiger Exponenten dieser Euro-neurotischen Partei, die den Verdacht nahelegen, da verstände jemand etwas von wirtschaftlichen Zusammenhängen. In der Tat ist die Wirtschaftskompetenz der Riege zorniger alter Männer an der Spitze dieser Partei nicht ganz von der Hand zu weisen. Aber ist jeder, der die Vorzüge der Sozialen Marktwirtschaft mindestens ahnt, schon liberal? Wohl kaum.

Es bleibt eine unbestreitbare Tatsache: Liberal ist nur, wer das Prinzip Freiheit in allen Lebensbereichen verwirklicht sehen will. Wenn die AfD sich als neukonservative Vaterlandspartei generiert, sollten selbst die letzten verirrten Liberalen sehen, das diese Partei mit gesellschaftlichem Liberalismus zu tun hat wie ein Geistesblitz mit Elektrizität.

Die AfD mag das Interesse enttäuschter Liberaler auf sich gezogen haben, sie ist aber keine liberale Partei. Sie ist wie andere Parteien ein Mitbewerber der FDP, ja, aber keine liberale Partei. Liberale sind gut beraten, die AfD wegen ihrer Inhalte zu kritisieren, aber nicht für ihre experimentierfreudigen Wähler: Irren ist menschlich. Schon mancher Igel soll eine Toilettenbürste für eine Artgenossin gehalten haben.

Der Europawahlkampf gibt Gelegenheit, die FDP als Verteidigerin der Grundfreiheiten zu präsentieren: Menschen, Waren, Dienstleistungen, ja auch Kapital sollen in Europa nicht durch Grenzen gehindert werden, Wohlstand zu mehren. Die Tatsache, dass heute die Verhandlungstische in Brüssel die Schlachtfelder vergangener Jahrhunderte überflüssig gemacht haben, ist etwas, das Liberale zu Stolz berechtigt. Es ist ihr Verdienst. Menschen, die miteinander Handel treiben, neigen nicht dazu, sich gegenseitig zu erschießen. Das aber ist eine Errungenschaft, die nicht auf ewig garantiert ist. Sie muss auch gegen DM-Nostalgiker verteidigt werden. Ihnen geht es nicht darum, die gegenwärtige Krise zu meistern. Sie wollen politischen Profit aus einer Krise schlagen, die Deutschland im Empfinden seiner Bürger gar nicht richtig getroffen hat, trotzdem aber Aufmerksamkeit fordert. Die AfD schreckt dabei auch vor verzopften altkonservativen Weltbildern nicht zurück. Sie wird als Protestpartei möglicherweise weiter reüssieren. Aber nicht weil sie die neue Liberale Partei ist, die 30 Prozent der Befragten nach einer aktuellen Allensbacherhebung im Bundestag vermissen. Die Wahlergebnisse von FDP und AfD verhalten sich nicht wie kommunizierende Röhren, nur weil die FDP 2009 viele Protestwähler an sich gebunden hatte und die AfD das nun eventuell auch tut. Hier stehen Grundhaltungen gegenüber: Offene Märkte und engstirnige Gesellschaftsbilder passen nicht zusammen. Zum Dreiklang Mündigkeit, Marktwirtschaft und Menschenwürde passen die schrägen Töne der selbst ernannten “Alternative für Deutschland” nicht. Gut, dass es wie immer im Leben auch zur AfD eine Alternative gibt, die jenseits des sozialdemokratischen Mainstreams für Freiheit und Sozialmarktwirtschaft eintritt. Sie ahnen, wen ich meine …