Wahlkampf ohne Plakate?

Die Diskussion ist nicht neu. Warum plakatieren Parteien? Ich bleibe dabei: Plakatwerbung bleibt wichtig: Computer, Radio, Fernsehen kann man abschalten, Zeitungen kann man weglegen und werden immer weniger gelesen. Der Plakatwerbung entgeht man nicht. Sie dient als “Terminhinweis” und Präsenzsignal an die eigenen Anhänger und Sympathisanten – ganz unabhängig vom Aufdruck. Das zeigen schon die besorgten Anrufe von Parteigängern, die in Parteizentralen eingehen, wenn in einem Teil des Landes weniger Plakate hängen. Übrigens wissen das auch die Linken, SPD und Grüne. Ihnen ist es so wichtig, zu plakatieren, dass sie alle Vorgaben der Ordnungsbehörden schlicht ignorieren. Das aber ist ein anderes Thema.

Der Text auf Plakaten ist eher etwas für die Berichterstattung und Zweitverwertung durch Medien. Die Urteile unterscheiden sich dann je nach politischer Haltung und “Vorurteil” des Kommentators. Politische Werbung muss auch nicht unterhalten. Ironie ist vollkommen verboten. Negative Campaigning auf Plakaten geht meistens daneben. Politik ist ein erklärungsbedürftiges Produkt. Da kann ein Plakat mit maximaler Kontaktzeit von etwa 3 Sekunden nicht viel leisten.

Ich bitte also, das Medium Plakat nicht zu überfordern oder überbewerten. Man kann mit Plakaten allein keine Wahlen gewinnen, wird aber ohne schlechter abschneiden. Auch in den USA sind Wahlplakate weit verbreitet, obwohl die Berichterstattung hierzulande das Gegenteil suggeriert. Die US-amerikanischen Plakate tragen in der Regel nur den Name des Kandidaten und das Signet seiner Partei. Inhalte gibt es darauf kaum. Die Plakate in den USA verdeutlichen die Testimonialfunktion der Plakatierung. Sie signalisieren: Mein Kandidat hat Rückhalt, ich kann mich ebenfalls zu ihm bekennen. Hätten alle FDP-Mitglieder ein Plakat in ihrem Fenster, auf ihrem Balkon oder ihrem Vorgarten, wäre die Präsenz der FDP deutlich besser. Die in Berlin vielerorts angebrachten Regenbogenfahnen sind ein gutes Beispiel wie man ganz ohne Text optische Präsenz schafft.

Auf zum Liberal Pride Movement …