Frauen in die Politik

Ich möchte mehr Frauen in der Politik, weil ich überhaupt mehr Menschen für Politik begeistern will. Deshalb lohnt das Nachdenken darüber, wie der Politikbetrieb insgesamt attraktiver gemacht werden kann. Zielzahlen sind dabei so sinnvoll wie sozialistische Fünfjahrespläne.

 

Vielleicht wäre es besser, sich einmal über Veranstaltungsformate und -zeiten zu unterhalten, die familienfreundlich sind. An theoretischen Debatten besteht bei Frauen mitunter weniger Interesse. Sie haben dafür  vielleicht wegen ihrer Vielfachbelastung zwischen Familie und Beruf auch weniger Zeit.  Bei den Bundestagswahlen lag die FDP im Zuspruch bei Frauen nicht signifikant schlechter als bei Männern. Frauen stehen bei der FDP alle Türen offen. Durchgehen müssen die Frauen selbst. Erfolgsgarantien und Positionsgarantien kann es dabei für Liberale nicht geben.

 

Das Revival der Diskussionen aus den 1970er Jahren bringt Deutschland nicht weiter. Weder Frau Merkel, noch Frau von der Leyen, auch nicht Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sind das Ergebnis von Quoten. Sie sprechen für sich und ihre Qualifikation als politischer Mensch. Gleichzeitig gilt, Fraueninteressen können und werden nicht nur von Frauen vertreten werden. So selbstverständlich, wie man der Bundeskanzlerin zugesteht, dass sie auch die Interessen von Männern vertritt, sollte man jedem Mann zugestehen, dass er auch die Interessen von Frauen mitdenkt. (Die meisten Männer leben ja mit Frauen zusammen.) Gregor Gysi z.B. war während seines kurzen Intermezzos im Berliner Senat auch Frauensenator.

 

Festzuhalten ist:

 

1. Wir haben hervorragende Frauen. Sie brauchen keine Privilegien, Schutzgebiete und Reservatrechte.

2. Die Einladung, sich politisch zu engagieren, geht an alle demokratischen Kräfte. Sondereinladungen sind nicht nötig.

3. Geschlechtsmerkmale allein sind keine ausreichenden Qualifikationen für eine politische Betätigung.

4. Wo Frauen sich nicht zur Wahl stellen/bewerben, kann man sie auch nicht wählen/berücksichtigen.

5. Das parteipolitische Engagement von Frauen ist in allen Parteien geringer als das von Männern. Auch bei den Grünen mit starren Quoten, sind die Frauen nicht ihrem Bevölkerungsanteil entsprechend in der Mitgliedschaft und Mandaten vertreten. Unter den Mitgliedern gibt es weniger Frauen als in der Gesellschaft unter den Abgeordneten mehr als in der Gesellschaft.

6. Gleichberechtigung lässt sich nicht herbeikommandieren.

7. Liberale entscheiden als Partei des normativen Individualismus nach individueller Qualifikation. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand heterosexuell, transsexuell, Mann oder Frau ist.

8. Der Blick auf die Position von Frauen sollte nicht auf Großunternehmen verengt werden. Die meisten Menschen ohnehin anderswo. In vielen Familienbetrieben des Mittelstandes sind Frauen bestimmend.

9. Die Gesellschaft ist ohnehin sehr viel bunter als es die Bipolarität Mann-Frau suggeriert.

10. Die demokratischen Auswahlprozesse in Parteien unter Nutzung der Weisheit der Vielen sind sehr viel besser geeignet die Repräsentation von Bedürfnissen und Interessen in Parlamenten zu gewährleisten, als von oben verordnete Regulierungsmaßnahmen. Symbolpolitik löst kein politisches Problem.

 

Die Quote ist eine Beleidigung für jede selbstbewusste Frau, die im Leben steht. Meine Mutter, Familienmanagerin mit neun Kindern, hat sich durch Quotendiskussionen nie von der Arbeit abbringen lassen. Die Quote hätte keines ihrer Alltagsproblem gelöst. Für feministische Theorie hatte mein Mutter keine Zeit, ihr genügte die weibliche Praxis.