Erzwungenes Glück, vollkommenes Glück?!

„Es ist den Untertanen untersagt, sich die Einsichtsfähigkeit der Obrigkeit anzumaßen.“

Mit diesem Verbot, das einst König Friedrich Wilhelm I. von Preußen ausgesprochen hat, stellen sich heute die politisch korrekten Organisatoren der grünen Revolution von oben ihren Kritikern entgegen. Wer bezweifelt, dass die dirigistischen Maßnahmen zum richtigen Essen, Trinken, Genießen oder auch nur Reden, vielleicht nicht wirklich sinnvoll sind, dem schallen zum Beispiel die Worte des attac-Aktivisten und grünen Europaabgeordneten Sven Giegold entgegen, der sein totalitäres Ansinnen unverblümt formuliert hat:

„Wir können nicht darauf warten, bis auch der letzte Ignorant freiwillig zu umweltfreundlichen Produkten greift“

Ja, wer die Welt retten muss, kann auf Einzelschicksale keine Rücksichten nehmen. Statt selbst zu denken, lassen sich viele von solchen Vordenkern den Weg weisen. 

Das Bionadebiedermeier erfasst die Gesellschaft. Schon machen sich Nachtwächter daran, nächtliche Bargespräche zum Problem aufzupusten, derweil in anderen Weltregionen Frauen bestialisch vergewaltigt und ermordet werden.

Im Supermarkt treffen Dich strafende Blicke, wenn die selbsternannte Ökogouvernante Deinen Einkauf nicht ganz biodynamisch findet und im Restaurant soll, wenn erst einmal die Kantinen auf einen Vegetariertag eingeschworen sind, demnächst auch nur gegessen werden, was die Hohepriester der Umweltreligion unbedenklich mit ihrem Segen versehen haben.

Auch vor Wohnungen macht der Regulierungseifer nicht halt. Wer, wie die Grünen, in seinen Programmen soviel vom „müssen“ redet, reguliert auch das einfachste Bedürfnis:  Standtoilette = sozialverantwortlicher Standard, Hängetoilette = unsolidarischer Luxus. (Detailvorschriften erläutert Ihnen Ihr grüner Stadtrat in Pankow gerne.) Schon in der Schule werden die Kinder zu Ökoblockwarten fortgebildet, um das energieschonende Verhalten der Eltern zu kontrollieren. Das hat auch schon in der DDR funktioniert, wenn die Schüler nach der Form des Zifferblatts bei den Fernsehnachrichten gefragt wurden, um festzustellen ob sie die gute „aktuelle Kamera“ oder die westliche „Tagesschau“ zu sehen bekamen.

Aber: Deutschland hat sich auch verändert: Rauchen unter freiem Himmel war vor wenigen Jahren noch verpönt und unschlicklich, nun ist es gewissermaßen gesetzlich vorgeschrieben, weil in vielen Gaststätten verboten.

Das selbstgerechte Milieu der Weltenretter verfügt über höhere Erkenntnisse und ist nicht bereit, die „Zukunft der Kinder“ durch rücksichtslose Fleischesser oder eine politisch unkorrekte Sprache gefährden zu lassen.

  

Der Zweck des ganzen ist heilig: Es geht darum, den Weltuntergang zu vermeiden. Seit jeher, hat die Angst Massen mobilisiert und – für Linke noch wichtiger – die Geldbeutel geöffnet.

Freiheit ist dagegen ist anstrengend. Was tun, wenn mir niemand vorschreibt oder vordenkt, was ich zu konsumieren habe? Eigenverantwortung? Eigeninitiative? Das kommt in grünen Verordnungen nicht vor. Warum denn argumentieren, wenn man doch agitieren und anordnen kann.

Da kommt der Geist, der stets verneint: Kabelfernsehen, Mobiltelefone, Internet, Überlandleitungen, Kraftwerke, Bahnhöfe, Flughäfen, Gasgewinnung? Die Grünen waren immer dagegen und setzen auf das kurze Gedächtnis ihrer von einer Panik in die nächste getriebenen Anhängerschaft.

Die Entrüstungsindustrie assistiert. Für den guten Zweck. Die Hilfstruppen sind längst installiert: Quartiersmanager, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, Berater für alles und jeden: Die Serviceleistung der Betroffenheitskultur: endlich nie wieder Entscheidungen treffen müssen!  Für den Aufschrei auf Abruf sorgt die Empörungselite. Wo immer sich in der Welt Unrecht regt, steht die Tränendrüsentruppe zum Einsatz bereit, um aus dem sicheren Abstand des Berliner Bundestagsbüros Betroffenheit zu mimen.

Kommt einem dann mal ein Übeltäter, z.B. der iranische Botschafter, in die Quere, hebt man die Hand und … grüßt euphorisch mit „High-Five“ wie unlängst Claudia Roth bei der Sicherheitskonferenz. Das ist Einsatz. Oder doch nur Doppelmoral? Die deutsche Linke verband schon immer eine eigenartige Sympathie mit Gewaltherrschern. Mao, Che Guevara oder Fidel Castro? Alles ok, solange nur die Gesinnung stimmt. Gut sind immer nur die, die selbstlos mit dem Ziel einer besseren Welt (für sich, ihre Anhänger) unrecht begangen haben. Was lerne ich daraus? Tu was Du willst, aber wähle grün. Dann werden Dir Deine Sünden vergeben und das Einspeiseentgelt stimmt auch. Moral gibt es gratis dazu, gerne auch einmal doppelt, echte Doppelmoral eben. Wer das nicht versteht, singe das schöne Kirchenlied mit der Verszeile: Was dem Auge sich entziehet, dem Verstande selbst entfliehet, sieht der grüne Glaube ein…