No Change. Four more years.

Im Westen nichts Neues. Der alte Präsident ist der Neue. Die Kräfteverhältnisse im Kongress verschieben sich nicht. Barack Obama hat um weitere vier Jahre gebeten. Er hat sie bekommen. Der Euphorie seiner ersten Wahl ist der Realismus seiner zweiten Wahl gefolgt. Auch die Probleme sind geblieben: Arbeitslosigkeit und Staatsverschuldung bleiben den gespaltenen Staaten von Nordamerika ebenso erhalten wie Guantanamo und die Krise im Nahen Osten. Seine Gesundheitsreform mag vielen seiner Anhänger ein Trostpflaster für alle die enttäuschten Erwartungen sein, die der nobelpreisprämierte Barack Obama geweckt hat und nach menschlichem Ermessen nicht einhalten konnte.

So ist aus dem Illussionskünstler des Jahres 2008 der Erwartungsmanager des Jahres 2012 geworden. Tatsächlich ließ der Politikwechsel nach dem zwangsläufigen Personalwechsel von 2008 auf sich warten. Zumindest seinen Anhängern konnte er erklären, warum die suggerierte Neuordnung der Verhältnisse doch etwas länger dauern würde, als er noch vier Jahre vorher suggeriert hatte. Weil der Amtsvorgänger nicht mehr wieder gewählt werden konnte, war der personelle Wechsel im Oval Office ja ein leicht einzulösendes Versprechen. Aktuell war die Forderung „Four more years“ gewissermaßen das demokratisch gewendete „Keine Experimente“ in einer um Stabilität ringenden Nation

Einmal mehr scheint sich zu erweisen, dass sachliche Arbeit in Gegenwart und Vergangenheit das Eine, die glaubwürdige und begeisterungswürdige Idee für die Zukunft das Andere, letztlich wohl Entscheidende ist. Deshalb kann sich auch die hiesige Bundesregierung nicht auf den erfreulichen Lorbeeren der erhaltenen, aber stets gefährdeten wirtschaftlichen Stabilität und lange nicht gesehenen Beschäftigungszahlen ausruhen.

Euphorie, Personenkult, auch das USA-übliche nationale Pathos ist der deutschen Politik fremd. Das ist in einem Land, dessen Vergangenheit viel politisches Pathos und zuviel nationale Überhöhung erlebt hat, nicht unsympathisch. Auch das schwarz-gelbe Bündnis muss den Wählern allerdings glaubhaft vermitteln, dass die notwendigen Strukturreformen in Deutschland angesichts der Kräfteverhältnisse zwischen Bundesrat und Bundestag, Landesregierungen und Bundesregierung nicht eben einfach zu bewerkstelligen sind. Etwas mehr Reformwillen wäre da gewiss nicht unschädlich. Die Bundesregierung macht doch gar nichts und damit auch nichts falsches! Das wäre ein zu schwaches, im Ganzen auch unzutreffendes Wahlargument. Die Öffentlichkeit

Am Ende erschien das Rennen in den USA knapp, das Ergebnis ist dennoch klar. Rhetorisch waren sich Präsident und Herausforderer selten näher als im Augenblick ihrer Kommentare zum Wahlausgang. Beide Duellanten wissen, dass die Probleme der USA nicht von einem charismatischen, von manchem bereits in der Vergangenheit zur Verklärung angemeldeten Messias gelöst werden. In Deutschland hat sich bereits herumgesprochen, dass auch von einer Schutzmantelmadonna im Kanzleramt keine Wunder zu erwarten sind. Selbst daran, ob sie je welche vollbringen wollte, darf bertechtigter Zweifel angemeldet werden.

Barack Obama hat sich – er betonte es in seinem Kommentar nach der Wiederwahl – in diesem Wahlkampf im Gespräch mit den Menschen geerdet und um Verständnis und neues Vertrauen geworben. Auf dem Boden der Tatsachen zurück, wird er sich jetzt nach allgemeiner Einschätzung schon bald mit der erneuten Haushaltslücke befassen müssen.

Spätestens dann wird er beweisen können, ob es ihm gelingt, die in ihn gesteckten Erwartungen spät aber immerhin zu erfüllen. Soweit diese Erwartungen über die Illussion einer Gesellschaft, die an der Gemeinsamkeit in der Vielfalt arbeitet, hinausgeht, wird er sich nach vier Jahren keinem Wählervotum mehr stellen müssen.

Hierzulande können politische Protagonisten vom Selbstvertrauen trotz bescheiden erscheinenden Ergebnissen, wie es Barack Obama sich selbst und seinem Amerika gegeben hat, nur lernen – zumal Deutschland besser da steht.

Insbesondere den deutschen Liberalen möchte man weniger Selbstzweifel, mehr Selbstbewusstsein und Kampfgeist wünschen. Vielleicht mit diesen Worten:

No more fears. No more tears. Four more years.