Alles Sozis, sogar Mutti!

 

Rechtzeitig zu Halloween gibt das ZDF-Morgenmagazin die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens: Dunja Hayali präsentiert George Soros in der Rolle des Ebenezer Scrooge. Der durch Währungsspekulationen zum Milliardär gewordene Amerikaner entdeckt als 82jähriger sein Gewissen, beteuert seine Finanzgeschäfte aufgegeben zu haben und tut Gutes – z.B. Barack Obama unterstützen. Das bringt ihn zum ZDF Altersweisheit oder Angst vor dem herannahenden Geist der künftigen Weihnacht? Das dank Gebührenzahler ebenfalls milliardenschwere ZDF hält uns auf dem Laufenden. Soros, der weiß wie man reich wird, darf dann auch  empfehlen, Deutschland möge aus der Euro-Zone austreten.

Den verbleibenden Euro-Ländern werde es dann vortrefflich gehen. 

Schon heute behaupte sich die Eurozone bestens gegen Dollar und Pfund. Wenn Deutschland weg ist, könne der Rest endlich erfolgreich Eurobonds ausgeben, spekuliert Soros. Das hätte Hollande auch nicht besser sagen können.

Wie man durch weitere Anleihen und neue Schulden aus der vielfach verteufelten Abhängigkeit der Finanzmärkte gelangen soll, bleibt das Geheimnis der Freunde einer Zinsbildung jenseits der spezifischen Leistungswilligkeit und – fähigkeit des Kreditnehmers. Angesichts der Tatsache, dass die Bundeskanzlerin immer wieder Zugeständnisse an den sozialdemokratischen Zeitgeist gemacht hat, darf man die Widerstandskraft der größten, weil bislang einzigen Kanzlerin, die Deutschland je hatte, nicht überschätzen. Auch die Bereitschaft zu notwendigem Reformen – das darf am Reformationstag einmal kritisch angemerkt werden – könnte durchaus etwas ausgeprägter sein.

Im Ausland erscheint die Kanzlerin als strenge Wahrerin ihrer politischen Interessen. Das macht sicher nichts, auch wenn sie im Inland gerade deshalb Respekt und Zuspruch genießt, weil sie uns Bundesbürgern gerade nicht besonders viele Veränderungen abverlangt. Warum auch? Unter den Blinden war der Einäugige stets König. Aber es gibt auf der Welt auch Länder, die ihre volle Sehkraft – um im Bild zu bleiben – längst positiv nutzen und die Zukunft beherzt ins Visier zu nehmen. Reformen für unsere Nachbarn sind sicher gut, Reformen im Inland wären sicher noch besser. Bescheidenheit bei den Staatsausgaben und der Verschuldung ist ein Zier, Bescheidenheit im Anspruch, Reformen auch im eigenen Land zu befördern, ist von Schaden. 2010 liegt in der Vergangenheit. 

Liberale könnten hier Geh-Hilfe für die Kanzlerin sein, die den Stillstand als Bewegung – wenn auch mit geringst denkbarer Geschwindigkeit – verkauft. Wenn Sand im Reform-Motor steckt, kommt auch der Konjunktur-Motor schnell ins Stocken. Sicher Merkels Fortschritt bleibt eine Schnecke. Aber man kann ihr Beine machen. Geh-Hilfen statt Gehilfen sind gefragt. Germania semper reformandi.*

*Deutschland ist immer zu reformerien.