Das Kronzprinzenadieu

Selbst die Toleranz der Unionswähler kennt Grenzen. Den lustlosen Wahlkampf des grünsten aller CDU-Vertreter wollten sie dann doch nicht unterstützen. Sie sind in Scharen zur SPD und den Grünen übergelaufen.

Mehr Sozialdemokratie als Rot-Grün konnte nicht einmal Röttgen bieten. Auch wenn er sich redlich darum bemühte. Da half es dem nun eilends aus dem Landesvorsitz geschiedenen Kronprinzen Norbert Röttgen auch nicht, dass Frau Merkel neunmal nach Nordrhein-Westfalen geeilt ist, um ihrer inkarnierten Option von Schwarz-Grün den Rücken zu stärken. Nun ist auch er perdu. Es kann nur eine geben. Merkel muss sich selber nachfolgen.

Die Unionswähler, die sich wehmütig an Friedrich Merz erinnern, haben sich der FDP zugewendet. Die Empfehlungen des ehemaligen Landesvater Clement für die Liberalen haben dann auch noch den letzten martkwirtschaftlichen Sachverstand in Richtung FDP getrieben.

Wenn die Union jemals verstanden hat, welche Chance sie 2009 für ein marktwirtschaftlich orientiertes – wenn man so will – bürgerliches Projekt, in den Händen hatte, spätestens jetzt hat sie diese Gelegenheit fast völlig verspielt. Schon 2010 hat Jürgen Rüttgers auf das falsche Pferd gesetzt, als er das schwarz-gelbe Projekt aus der bestehenden Koalition heraus für beendet erklärt hat. Die Wähler haben dies mit Unverständnis quittiert. Die FDP gewann zwar schon damals dazu, konnte aber dem Schwarzen-Peter-Spiel der Rothaut unter den Unionisten wegen fehlender innerer Geschlossenheit wenig entgegensetzen. 

Der schwarz-grüne Röttgen hat das Zerstörungswerk der Sozialdemokratisierung der Union vollendet und damit auch eine Perspektive jenseits von rot-grünen Gefälligkeitsdemokraten, Staatsschulden und Bevormundungspolitik auf unbestimmte Zeit vertagt. Norbert Röttgen selbst ist, das zeigt die Verteilung der Direktmandate zwischen Union und SPD nicht nur an der Ruhr gescheitert. Nicht einmal ihm selbst wollten die Wähler ein Direktmandat in Bonn gönnen. Es ist auch zum verzweifeln: Da gibt die Union sich erfolgreich Mühe, den zweiten Platz zu erzielen, um in eine große Koalition einzuziehen und die Wähler geben mit mehr als 60 Prozent alten und neuen Linken die Stimme.

Gut, dass sich wenigstens die FDP im Land zwischen Rhein und Ruhr ihrer Prinzipien erinnert hat. Viele Wähler haben deshalb den Wahlempfehlungen der Politstrategen in den Zeitungsredaktionen selbstbewusst die kalte Schulter gezeigt. Auch die am Wochenende noch eilends von Spiegel-online lancierten Meldungen zu vermeintlichen Umfragewerten der FDP auf Bundesebene konnten die Wähler nicht mehr von ihrer Entscheidung für eine eigenständig profilierte Landespartei abbringen.

Der Spitzenkandidat der FDP hat sich und andere zum glücklichen Ergebnis der FDP wieder an Prinzipien erinnert, die in bewährter Weise Wohlstand für alle realisieren helfen, anstatt nur Mitgefühl für Mühselige und Beladene zu reklamieren. Den Erfolg der FDP nur auf den Spitzenkandidaten zurückzuführen, hieße allerdings das einzigartige programmatische Angebot der einzigen nichtetatistischen Partei in Deutschland unterschätzen und schmälern.

Derweil singt Ministerpräsidentin Kraft „New York, New York“ mit der ebenso bedrohlichen wie selbstbewussten Zeile „If I can make it there, I gonna make it anywhere.“ Ob dies die Kanzlerin in Berlin schon an einen Kampf der Amazonen 2013 denken lässt? Wohl weniger. Wahrscheinlicher denkt sie wie viele Andere in diesen Tagen über eine ganz andere Frage nach, die lautet: Was machen die Strategen der CDU eigentlich beruflich?