Genieße das Leben! Bis auf weiteres.

Im Vereinigten Königreich wird aktuell darüber diskutiert, ob Kunden in Geschäften vor dem Anblick von Zigaretten geschützt werden sollen. Gedacht ist an Sichschutzschränke, die nur auf konkreten Kundenwunsch hin geöffnet werden sollen. 

Schon länger befassen sich europäische Insitutionen mit der Frage, ob Zigarettenpackungen überhaupt noch werblich gestaltet werden dürfen sollen. Nach Warnhinweis und – für unbelesene Kunden – abschreckenden Abbildungen wird dabei erörtert, die Verpackungen nun sonst ganz neutral zu gestalten. 

Der Anblick einer abschreckenden Kreuzigungsszene hat auch noch niemanden zum Glauben bekehrt oder davon abgebracht.

Als überzeugter Nichtraucher glaube ich nicht daran, dass der Anblick einer bunten Schachtel Glimmstängel suchtkrank macht. Warum ein für Erwachsene frei verkäufliches Genussmittel nicht mit markentypischer Verpackung versehen werden kann, wissen nur Verbotsfetischisten. Nun mag es ja sein, dass die jüngsten Restriktionen für den Zigarettenkonsum im öffentlichen Raum, die Anzahl geschädigter Passivraucher verringert hat. Warum es bei sinkender Zahl von Nikotinabhängigen weiterer Restriktionen braucht, bleibt das Geheimnis der Regulierungswütigen.

Wenn der Zigarette dereinst der Garaus gemacht worden ist, wird es andere gesellschaftlich akzeptierte Genussmittel mit Suchtpotential treffen. Gerade erst schrieb Professor Beda M. Stadler vom Berner Institut für Immunologie: „Einiges, was in letzter Zeit unter dem Deckmantel „Prävention“ auf uns Bürger losgelassen wurde, grenzt entweder an Hass gegen eine Minderheit oder ist blanke Diskriminierung, etwa die Massnahmen zum Schutz vor dem Passivrauchen. (…) Hätten wir Aids so bekämpft, wie man derzeit die Fresssucht bekämpfen will, wären Schwule heute noch diskriminiert.“

Sicher braucht es Prävention in Form der Aufklärung über Risiken. Der erhobene Zeigefinger und Zwangsmaßnahmen gehören nicht dazu. Vielfach entsteht ohnehin der Eindruck, der Staat suche sich neue Beschäftigungs- und Regelungsfelder. Die Bemutterung durch Vater Staat greift mehr und mehr Raum. Wo auf diese Weise der Staat fett wird, bleibt für den Bürger – besonders den Dicken – kein Entfaltungsspielraum.

Ich bin wahrscheinlich als „normalbewichtiger“ Mensch nicht durch die Dickleibigen hierzulande in meiner Entfaltung eingeschränkt. Es sei denn, sie sitzen in öffentlichen Verkehrsmitteln neben mir und ich fühle mich – was selten vorkommt – durch ihre Präsenz bedrängt. Dann – was noch seltener vorkommt – wechsle ich den Platz. Staatliches Eingreifen war bislang nie erforderlich.

Ähnliches gilt bei zumal in Berliner Transportmitteln stark vertretenden öffentlichen Trinken. Um der Gefahr der Passivalkoholisierung, der Bedrohung durch Einatmen stark alkoholhaltiger Luft zu entgehen, reicht vielfach ein Platzwechsel völlig aus. Die Gerüche von Fahrgästen mögen mich mitunter belästigen, Beeinträchtigungen meines Wohlbefindens habe ich an mir ebenfalls noch nicht festgestellt. 

Gerade las ich, dass in den letzten Jahren  besonders in Nordrhein-Westfalen und in den ländlichen Gegenden Bayerns mehr als ein Viertel der Gaststätten verschwunden sind.

Grund ist aber nicht der Verzicht auf Rauchen, Essen und Trinken.

(Ein ess- und trinkfreies Lokal wäre eine sehr einladende Sache.) Die Tankstellen und der Einzelhandel hätten dem natürlichen Biotop des Stammtischs, der Eckkneipe und dem Wirtshaus, zunehmend den Garaus gemacht.

Vielleicht wird mich bald eine Kampagne zum Passivtrinken eines Besseren über bislang ungekannte Gefahren belehren, mich an meiner eigenen Wahrnehmung und dann an meinem Verstand zweifeln lassen.

Bis dahin gilt der Satz: Erst wenn der letzte Trinker trocken, die letzte Zigarette verloschen, der letze Dickleibige zwangsabgemagert wurde, wird man feststellen, dass das Papier von Verordnungen absolut ungenießbar ist. Warum sollte ich mich auf eine derartig in mütterlicher Umarmung zu Tode behüteten Welt wohlfühlen?