Ein Volk von Gauck-lern

Es ist im Karneval so Sitte,

Den Kommentar zu reimen. Bitte:

Kaum hat der Wulff sein Amt gefressen

Waren sie bereits zusamm‘ gesessen:

Die Meister des Polit-Verstandes,

Die großen Köpfe unseres Landes!

Kaum ist Wulff weg, schon sind sie da:

Und tagen bei Sankt Angela.

Derweil Herr Gauck in Öst‘reich weilt

Eh‘ er per Flugzeug kommt geeilt.

Sie ruft ihn an, erreicht sein Ohr,

Und schnell fährt er im Taxi vor.

Mit heit‘rer gut erhellter Mine

Betreten sie Pressebühne:

Das Spiel beginnt, es lächeln Sieben:

Der Linken ist‘s erspart geblieben.

Derweil die Medien unten Sitzen

Und Bleistift, ja auch Ohren spitzen.

In Hymnen stimmen sie nun an

Das Lob auf einen Kirchenmann:

Herr Gauck, er wird nun Präsident

So mancher nennt das Happy End.

„Oh wohl dem Land, oh wohl der Stadt,

die solche Menschen in sich hat.“

Es brennt, wie einer Kerze Docht er

Für Freiheit, spricht die Pfarrerstochter.

Vollkommen spontan – sie liest vom Blatt,

Sagt sie woran‘s gelegen hat,

Das sicherlich bei diesem Mal

Den Richt‘gen trifft des Bundes Wahl.

Schon greift zu seinem Mikrostengel,

Der Gabriel, ganz wie ein Engel:

Am Ende ist doch alles Gut,

weil Sozi-Segen auf ihm ruht.

Dann spricht Herr Rösler, der Blau-Gelbe,

Mit anderen Worten, nicht dasselbe:

Ein neuer Anfang sei gemacht.

Licht bricht hinein in dunkle Nacht.

Ganz hell erstrahlt Frau Roth, die Grüne,

Ihr Charme erfüllt  ganz schnell die Bühne,

Nicht minder froh scheint Özdemir.

Er teilt die Redezeit mit ihr.

 

Für Bayern spricht mit einer Stimm‘

Der Präsident ad interim:

Sein Land steht Gauck nun voll zur Seite.

(Wen wundert’s nach der Wulff‘schen Pleite?)

Zum Schluss der Held – ein Epilog –

Erzählt, dass er aus Österreich flog,

Nur schlecht gewaschen und verwirrt,

Sei er zur Kanzlerin geirrt.

Da sitzt er nun, der liebe Neue,

Der heute Grundsatzreden scheue,

Er ahnt, es wird in seinem Leben,

Noch viele Sonntagsreden geben.

Die Sieben geh‘n, so schön war‘s nie:

Die Republik in Harmonie!

Der Vorhang fällt, das Licht ist aus

Und Freude füllt das Kanzlerhaus.

Doch dann am Rosenmontags-Morgen,

Sind sie zurück die Presse-Sorgen:

Das Amt, noch eben unparteilich,

Wird nun zum Omen – unverzeihlich:

Unionsvertreter sind brüskiert

Das Bündnis werde hier riskiert,

Weil Rösler Merkel hat gedroht:

Sag ja zu Gauck, sonst: Schwarz-Gelb tot!

Die Drohung, kaum ward das gerochen,

Wurd‘ eilends darum ausgesprochen:

Wer Merkels Mannen zwingt zu Füßen,

Wird dafür lange büßen müssen.

Hört Gaucks Appell Ihr, Alt und Jung!

Übt Freiheit in Verantwortung!

Der Mann sei mehr – ich schreib‘s ganz platt –

Als freiheitliches Feigenblatt.

Wär‘n Gaucks geliebte Freiheitsworte,

Nur Senf zur roten Einheitstorte,

Die uns Schwarz-Rot-Grün täglich reicht

Dann wär‘ die Freiheit schnell verbleicht.

Es sprach einst Wilhelm Landesherr:

“Ich kenne keine Parteien mehr.”

Vermeidet solche Volksverschaukler

Und seid nur eins: wahrhafte Gauck-ler.