Robin Hood gesucht

Er nimmt es dem Reichen und gibt es den Armen. Das ist die landläufige Kurzfassung der Geschichte von Robin Hood, die seit dem 14. Jahrhundert in englischen Balladen besungen wird. War der Bogenschütze in grünen Strumpfhosen also der erste Umverteilungspolitiker?

Ein Blick auf die gesamte Legende zeigt ein anderes Bild: Robin Hood hat sich zu der Zeit, als Johann der jüngere Bruder des kreuzfahrenden Richard Löwenherz die Insel regierte, gegen die unangemessene Steuerlast aufgelehnt, die leistungswillige Bürger so belastet hat, dass sie um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten mussten. Hood hat den Steuereintreibern des Königs, etwa dem Sheriff von Nottingham nur das genommen, was diese sich auch wegen ihres ausgeprägten Repräsentationsbedürfnisses bei den Armen zu viel geholt hatten. Hood war damit also ein Kämpfer für Steuergerechtigkeit und sparsame Verwaltung. Er kann also – abgesehen von seinen Beinkleidern – Liberalen durchaus als Vorbild gelten.

Heute würden die Bürger ihre Steuern und Abgaben wahrscheinlich auf den Knien robbend zum Finanzamt tragen, wenn sich der Staat mit dem Zehnten ihres Einkommens zufrieden gäbe. Tatsächlich liegt die Belastung durch Steuern und Abgaben sehr viel höher. Das System ist undurchschaubar geblieben. Die im Koalitionsvertrag geforderte Vereinfachung des Mehrwertsteuersystems lässt auf sich warten. Um so besser, dass die Jungen Liberalen diese Vorhaben in Erinnerung gerufen haben und selbst Vorschläge unterbreiten wollen.

Viele Wähler aus dem Jahr 2009 erwarten, dass die FDP mehr liberale Politik ins Regierungshandeln hineinträgt. Auch die Mitglieder der Partei sind dankbar, wenn ihre Repräsentanten nicht immer nur Regierungshandeln in die Partei kommunizieren.

Die Arbeitsteilung zwischen Regierung, Bundestagsfraktion und Partei erscheint relativ einfach:

Die Regierungsmitglieder achten darauf bei den koalitionsbedingten Kompromissen den Anteil der FDP möglichst deutlich ausfallen zu lassen.

Die Bundestagsfraktion zeigt in ihren Aktivitäten, was ihre Politik wäre, wenn sie als Verbund selbstbewusster liberaler Abgeordneter ohne Rücksichten auf Mehrheiten handeln könnte. Es ist ja sicher nicht so, dass Liberalen zur Finanzpoltik von Herrn Schäuble, zur Umweltpolitik von Herrn Röttgen keine Anmerkungen zu machen hätten.

Die Partei schließlich kommuniziert die Perspektiven liberaler Politik und klärt ihr Selbstverständnis, indem sie deutlich macht, in welchem Zusammenhang, die Arbeit von Parlamentsfraktion und Regierung mit liberalen Prinzipien und dem Ideal einer liberalen Bürgergesellschaft steht.

Das setzt Kampfgeist voraus, der im Stellungskrieg des Regierungsalltags etwas verloren gegangen zu sein scheint. Robin Hoods Kampfesmut machte ihn sehr beliebt und unvergessen.

Alle Liberale gemeinsam hätten die Aufgabe während der Renovierungs- und Umbauarbeiten um Verständnis und vor allem Geduld zu werben. Demokratie ist das langsame Bohren dicker Bretter, wusste Max Weber. Die Liberalen sind gut beraten, stärker zu zeigen, an welchem Brett sie gerade arbeiten. Es wäre auch nicht schlecht, wenn die aufmerksamen Betrachter bemerken könnte, wie sehr der Bohrer bereits läuft. Einige Pfeile in Richtung der Gegner und Mitbewerber könnten da nicht schaden. Robin, der Mann aus dem Wald, könnte dabei inspirieren.