Archiv für den Monat: Dezember 2011

Frohe Festtage

Ich wünsche allen Lesern, Freunden und Kritikern von muntermachermetzner.de frohe Festtage nach ihren individuellen Vorstellungen und alles Gute für den Jahreswechsel, aber auch weit darüber hinaus. Neues vom Muntermacher gibt es im neuen Jahr 2012, also in etwa 10 Tagen. Bleiben wir schön unbequem, unangepasst und unverdrossen. Herzliche Grüße Helmut Metzner

Schein-Heilige

Die Bilanz nach zwei Jahren Christian Lindner ist ernüchternd: Der Mann der bei Höchstwerten der FDP in sein Amt kam, hinterlässt Bauruinen:

Das Grundsatzprogramm der FDP, das 2012 verabschiedet werden soll, ist trotz endlos erscheinender Gesprächstherapie und Selbstbespiegelung nicht einmal im Entwurf zu erkennen. Der eigens dafür veranstaltete Bundesparteitag der FDP im Herbst befasste sich lieber ergebnislos mit dem Mitgliederentscheid und – einmal mehr weitgehend unbemerkt von der öffentlichen Meinung – mit Bildungspolitik.

Die ersten Äußerungen des designierten Generalsekretärs und aktuellen Schatzmeisters der FDP Patrick Döring offenbaren aber eine weitere Großbaustelle:  Der neue Niedersachse in der Parteizentrale sprach davon, er wolle die Kampagnefähigkeit der FDP verbessern.

In der Tat stellt sich bei Kennern der Vorgänge im Thomas-Dehler-Haus der Eindruck ein, die Teamfähigkeit zwischen den Verantwortlichen dort habe sich sehr am negativen Beispiel des Verhältnisses zwischen Parteivorsitzenden Rösler und dessen vom Vorgänger Guido Westerwelle ererbten Generalsekretär Lindner orientiert.

Christian Lindner, der stets nur für sich selbst gearbeitet zu haben scheint, ist es nicht gelungen, der Arbeit der Bundesgeschäftsstelle eine tragfähige Struktur oder auch nur politische Führung und Entscheidungswillen zu vermitteln. Trotz angewachsenem Personalstand hat Lindner die Potentiale der loyalen Parteidiener nicht erkannt oder entwickelt. Die Teamfähigkeit des organisatorischen Armes der FDP wurde so nicht eben gestärkt. Ein Wort des Dankes an seine Mitarbeiter ließ er in seinen kurzen Abschiedsworten wohlweislich vermissen. Im Abgang ist Lindner der einzigen Persönlichkeit treu geblieben, der stets seine volle Loyalität galt: sich selbst.

Respekt verdient er dafür, dass er die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit und seines Einsatzwillens erkannt hat.

Parteivorsitzender Rösler hat nun – wenn er die vom Generalsekretär eskalierte Personalkrise übersteht –   die Chance, Einigkeit und Schlagkraft wieder herzustellen. Sein langjähriger “Mitstreiter” Döring wird ihm dabei sicher diszipliniert, kantig und pflichtbewusst unterstützen.

Er ist sicher gut beraten, die Arbeit der FDP mehr auf die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen auszurichten, die sich die Wahl der FDP vorstellen können oder die Partei bereits einmal durch ihre Stimme unterstützt haben. Das zumindest wäre eine Neuorientierung der Arbeit im Thomas-Dehler-Haus: 

Die Redaktionsstuben meinungsbeherrschender Zeitungen und Magazine mag Christian Lindner beeindruckt haben. Die Wohnzimmer alter und neuer Wähler aus der leistungsbereiten Mitte der Gesellschaft hat er – glaubt man Meinungsumfragen – damit nicht erreicht. Schön reden heißt nicht immer auch schön arbeiten. Das wissen die zahllosen Ehrenamtlichen, die sich bei der Freiheitsverteidigung vor Ort ohne Waffen auf verlorenem Posten vorkamen. Über Stalingrad wurden 1942/43 Bibeln abgeworfen. Das Dehler-Haus in Berlin 2011 hat seinen liberalen Bodentruppen viele fromme Worte übermittelt, wo eigentlich gute Argumente oder besser überlebenswichtige Erfolge gefragt wären.

Immerhin profitiert Christian Lindner selbst nach seinem ungewöhnlich wortkargen Abgang noch von seiner Pressearbeit bei anderen Sprachkünstlern der Gegenwart. Lindner hat nichts mehr zu sagen. Seine früheren Pirouetten auf dem Glatteis zeitgemäßer Herausforderungen an einen modernen Liberalismus beflügeln die Fantasien der Journalisten weiter. Was sollen sie auch schreiben, wenn ihnen Christian Lindner seine Welt nicht mehr erklärt. Der Abschiedsgruss “Auf Wiedersehen” wird dabei schnell zur Ankündigung eines Comebacks in höherer Position.

Die Zeit heilt alle Wunden, hat zu Guttenberg eben erst erleben dürfen.

Heilige werden an der Wunderwirkung ihres Handelns zu Lebzeiten bemessen. Ein neues Hoch für die FDP konnten die rhetorisch beeindruckenden Predigten Lindner jedenfalls nicht beschwören. Daran wird zu erinnern sein, wenn sich dereinst eine Wiederkehr dessen ankündigt, der sich von der Verantwortung verabschiedet hat, ohne vorher durch Aktivitäten bewiesen zu haben, dass er liberale Werte nicht nur glänzend beschreiben kann, sondern auch verstanden hat und tatkräftig umzusetzen in der Lage ist. So bleibt der schöne Schein. Heilige sehen anders aus. Erfolge auch.