War da was?

Heute um 18.00 Uhr diskutieren US-Botschafter Murphy und Harald Leibrecht in der Landesvertretung von NRW in Berlin über “Gemeinsame Werte, gemeinsame Wege”. Die Termin ist gut gewählt: Vor genau einem Jahr hat der Spiegel “enthüllt wie Amerika die Welt sieht”. Mit viel Fantasie aber wenig Ahnung vom normalen Austausch zwischen Botschaftsangehörigen und mit internationalen Kontakten betrauten Parteimitarbeitern interpretierten die Autoren des Hamburger Nachrichtenmagazins Friedmann, Goetz, Neukirch, Rosenbach und Stark einen Skandal aus Papieren, die ihnen von Wikileaks zur Verfügung gestellt worden waren. Der Kopf dieser “Enthüllungsplattform” J. Assange sitzt heute im Gefängnis.

Die Behauptungen des Spiegels über deutsche “Informanten” der Vereinigten Staaten hielten einer juristischen Überprüfung nicht stand. Die Bundesanwaltschaft fand keine Hinweise, die auch nur die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens gerechtfertigt hätten. Ob sich die Recherchesorgfalt beim “Spiegel” seit dem 29. November 2010 verbessert hat, konnte der aufmerksame Leser dieses “führenden” Nachrichtenmagazins bislang nicht feststellen.

“Der Spiegel” hat seine Ausgabe vom 29. November 2010 etwa eine Million mal häufiger verkauft als andere Ausgaben im selben Jahr. Das hat die FAZ später berichtet. Offenbar hat sich das mit Unterstützung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens (z.B. “Anne Will”) inszenierte Agenten-Theater wenigstens für die Hamburger Entrüstungsindustrie ausgezahlt.

Ich schlage vor, dem Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” den goldenen Spekulatius für fiktive Skandale zu verleihen.