Majestät brauchen Sonne

Wilhelm II suchte nach einem Platz an der Sonne für sein Kaiserreich. Seinem Wunschbild konnten Millionen Deutsche etwas Positives abgewinnen und sogar zujubeln. Inzwischen sind zumindest Dermatologen davon überzeugt, dass zuviel ungeschützter Aufenthalt an der Sonne schädlich ist. Manch einer soll schon geblendet worden sein. Die Bundesregierung hat sicher bestens besonnt entschieden: Die Energiewende ist eingeleitet. Die Rechnung zahlen die Verbraucher. Schon das imperiale Preußen wußte, dass der Weg in die Sonne Opfer fordern würde. Allzu bereitwillig erhob sich das ganze Deutsche Volk über seine Nachbarn. Am deutschen Wesen sollte fortan die Welt genesen.

Nach Fukushima ist alles anders – außer in Japan und dem Rest der Welt jenseits der deutschen Grenzen. Das überrascht nicht: Was weiß die Welt schon von den Erweckungserlebnissen deutscher Kirchentage. Während andernorts Naturwissenschaftler und Techniker Risiken der Energieerzeugung abschätzen, sind dafür in Deutschland Geistliche, Politiker und Sozialwissenschaftler zuständig. Für den gesamtgesellschaftlichen Konsens müssen alle herhalten. „Ich kenne keine Parteien mehr, ich sehe nur noch Grüne.“ glaubt man die Kanzlerin seufzen zu hören. 

 

Die Energiedebatte schien bis kurz vor dem Kabinettsbeschluss fast ausschließlich vom privaten Verbrauch zu handeln. Omas Heizdecke, Vatis Abwaschwasser oder das Wannenbad für die lieben Kleinen lassen sich doch wunderbar über Solar-Panele auf dem Dach wohlsituierter Eigenheime erzeugen. Der Staat legt auch noch etwas drauf. Aber wovon eigentlich? Vom Geld der Steuerzahler, die das womöglich in energieintensiven Industriebetrieben verdienen müssen?

Doch allein um BASF in Ludwigshafen mit Sonnenenergie auszustatten, müsste eine Fläche von 45 Quadratkilometern mit Solarzellen gepflastert werden. Wo soll diese Fläche herkommen? Die Antwort gibt‘s bei Wilhelm II. Springen wir also dem Panther gleich in die Wüste hinter Agadir. Doch dort ist es nach neuesten Erkenntnissen selbst Solarpanelen zu heiß und Sandstürme schaden der Photozelle auch. Speichertechnik für alternativ erzeugten Strom gibt es ebenso wenig wie die notwendigen Leitungen, um zum Beispiel Windenergie zum Verbraucher zu transportieren. Wie schrieb die Zeitung Sevnska Dagbladet aus Stockholm über die deutsche Energiepolitik: „Alle Hoffnungen knüpfen sich nun an eine noch nicht erfundene Technologie.“

Not macht bekanntlich erfinderisch. Manch ein Politiker scheint zu glauben, er müsse Not erzeugen, um Innovation zu erzwingen. Eine ziemlich grüne Auffassung.

 

Wer bezahlt die Energiewende? Verbraucher und Steuerzahler, wenn Mieten, Energiekosten, Wärmesanierung, Windkraftanlagen und Solarzellen aus Steuergeldern oder via Einspeisevergütung subventioniert werden. So kauft man sich dann auch die Begeisterung der Wirtschaft. Der „Figaro“ aus Paris sieht das Problem der Kanzlerin: „Angesichts des Einbruchs ihres liberalen Koalitionspartners setzt Merkel auf ein Bündnis mit den Grünen.“ Wo allein die Mehrheit zählt, müssen Sachargumente und Verstand weichen. Majestät brauchen Sonne.