Hasenfuß in Panik

Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ist ernüchternd. Die Landes-FDP konnte nicht in ausreichendem Maß vermitteln, warum sie im Magdeburger Landtag gebraucht wird und bleiben muss. 

Die Bundespartei hat in den letzten Wochen wie ein Hase auf der Flucht Haken geschlagen, die selbst wohlwollende Anhänger nicht immer nachvollziehen konnten.

Ob der Unfall im Kernreaktor von Fukushima ohne nähere Erkenntnisse bereits am vergangenen Montag zum Kurzschluss eines Ausstiegsmoratoriums führen musste, ist zumindest diskutabel.

Panikattacken führen selten zu überlegten Handlungen. Sie rufen nur die üblichen Panikprofiteure auf den Plan. Wären die deutschen Kraftwerke so riskant, wie die Grünen immer wieder behaupten, hätten sie bereits unter Schröder, Fischer und Trittin abgeschaltet werden müssen.

Ganz weltvergessen dreht sich die deutsche Diskussion um die deutsche Nabelschau. Dass unsere Nachbarländer Belgien, Frankreich, Polen, Schweden nicht im Traum daran denken, auf Kernkraft zu verzichten, kümmert Grüne wenig. An ihrem Wesen wird die Welt genesen – glauben sie.

Deshalb ist es nötig, dass in Deutschland der Verstand wieder hochgefahren wird und Vernunft einkehrt. Wie man Ängste instrumentalisiert haben die gelernte Dramaturgin Claudia Roth und ihre Freunde gerade wieder demonstriert.

An keinem der deutschen Kraftwerkstandorte droht ein Erdbeben der Stärke neun, auch Flutwellen der japanischen Dimension sind hier nicht zu erwarten. Was also hat sich für die deutschen Kraftwerke geändert? Selbst wenn ich in den Neunzigern selbst gegen Kernkraftwerke demonstriert habe, musste ich doch einsehen, dass ein sofortiger Ausstieg unmöglich ist. 

Welche Versäumnnisse den japanischen Kernkraftwerkbetreibern vorzuwerfen sind, wird man sagen können, wenn die Abläufe, die zur Katastrophe geführt haben, aufgeklärt sind. Erst dann wird man Lehren ziehen können und müssen.

Die Bundesregierung hat den Grünen letzte Woche einen großen Dienst erwiesen. Waren diese in der Vorwoche gerade erst um vier Punkte in der Umfragegunst gefallen, war das Moratorium von Schwarz-Gelb ein Konjunkturprogramm für die Grünen. Sie erreichen wieder Höchstwerte und fühlen sich bestätigt.

Wenn der Hase auf der Flucht Haken schlägt, verliert er schnell die Richtung. Diesen wunden Punkt haben die Grünen bei der FDP erkannt und in den ersten Kommentaren zum Wahlausgang in Sachsen-Anhalt getroffen. Ein Vertreter der FDP-Führung sprach davon, die FDP dürfe kein stehendes Ziel abgeben. Die Liberalen wurden trotz ihres Zickzackkurs getroffen.Wer sich als bewegliches Ziel sieht und wegläuft, kommt nie in die Offensive.  

Gefragt sind jetzt Selbstbewusstsein und Biss. Hasenfüßigkeit verschafft keinen Respekt. Klarheit gewinnt. Die FDP muss raus aus der Verteidigung. Jetzt heißt es Angreifen für Freiheit statt Angst.