Archiv für den Monat: Januar 2010

Mit Meinungsforschung Meinung machen

Zur in diesen Tagen vom Meinungsforschungsinstitut Forsa veröffentlichten Behauptung, die FDP-Wähler seien von Ihrer Partei enttäuscht, erlaube ich mir folgende Anmerkungen:

Die Veröffentlichung ist ein weiteres Beispiel dafür, wie mit Meinungsumfragen Politik gemacht wird. Da niemand über die im Beitrag des Sterns genannten Werte hinaus Einblick in die Rohdaten der Befragung erhält, ist der Hinweis des Instituts, die Fehlertoleranz betrage 2,5 Prozentpunkte aufschlussreich. Schon in der Vergangenheit hat sich wiederholt gezeigt, dass Forsa Befragungswerte so interpretiert, dass sie nachrichtentauglich sind. Bei Umfragen ist das immer dann der Fall, wenn sich eine Einbuße von mehr als einem Prozent als erdrutschartiger Stimmenverlust vermelden lässt. Das gibt bei Forsa mitunter Anlass zur Vermutung, dass zu Beginn eines Betrachtungszeitraumes der Wert für die FDP bewusst höher interpretiert wird, damit bei einer späteren Betrachtung ein starkes Abschmelzen prognostiziert werden kann.

Jeder seriöse Meinungsforscher weiß, dass die Sonntagsfrage eine Momentaufnahme darstellt, die allenfalls für die Tendenz keineswegs aber im konkreten Wert betrachtet werden soll. Noch am 16. September 2009 hat Forsa in der letzten Befragung vor der Bundestagswahl der FDP nach 13 und 14 Prozent in den Vorwochen einen Wert von nur 12 Prozent prognostiziert. Der am Wahltag erzielte Wert der FDP lag bekanntlich bei 14,6 Prozent, das heißt sogar noch 0,1 Prozentpunkte außerhalb der von Forsa angegebenen Toleranz.

Die Interpretation der Werte wird im Beispiel des Stern besonders fragwürdig, wenn mit der Abbildung einer Stimmungsskizze Spekulationen einhergehen, die die Motivation eines Stimmungsumschwunges beurteilen. Die Motivation einer Handlung kann die Sonntagsfrage nicht abbilden, weil sie diese in der Regel gar nicht abfragt.

Im aktuellen Deutschlandtrend der ARD vom 8. Januar wird bei einer Befragtenzahl von 1500 und einer Angabe von 1000 Fallzahlen für die Sonntagsfrage eine Fehlertoleranz von 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten angegeben. Wenn darin 11 Prozent angeben, sie würden FDP wählen, handelt es sich bei einer angenommenen, keineswegs aber zu hoch angesetzten Zahl von 20 Prozent Unentschiedenen unter den Befragten um absolut maximal 132 Personen. Die in der Darstellung des Deutschlandtrends aufgestellte Behauptung, die Mehrheit der FDP-Anhänger (53 Prozent ) sei gegen eine Steuerreform, entbehrt jeder wissenschaftlichen Bewertungsgrundlage. Die Grundgesamtheit der so antworteten FDP-Befragten (absolut rund 62 von 132) ist keineswegs repräsentativ. Einigermaßen belastbar wäre bei etwas gutem Willen eine Grundgesamtheit von mindestens 500 Befragten mit FDP-Präferenz.