Archiv für den Monat: Juli 2008

Reisehinweise


Rechtzeitig zur Reisesaison erreichen den mündigen Verbraucher wieder allerlei nützliche Hinweis, Informationen und Ratschläge, die er doch bitte bei seiner Reise beachten möge. Kaum eine Institution, die dazu nichts beizutragen hätte. Als Ratgeber für alle Lebenslagen erweist sich einmal mehr der Vatikan. Sonst eher durch Hinweise zum Beispiel zu Ehe und Familie auffällig, die schon aufgrund eigener dogmatischer Vorgaben auf keine konkreten Lebenserfahrungen beruhen können, läßt der Papst weise Worte zum nahenden Welttourismustag am 27. September in Peru verlauten. Im Umherreisen kennt sich die Spitze des katholischen Klerus spätestens seit Johannes Paul II bestens aus. Es lohnt sich also einmal hinzusehen: Urlauber könnten “ihren Teil dazu beitragen”, dass “der Planet Erde lebensfähig bleibt”, so die Erkenntnis. Die folgenden lebenspraktischen Ratschläge lauten: Man könne sich beispielsweise entscheiden, “zu Fuß zu gehen, Hotels und Aufenthalte zu wählen, die im nahen Kontakt mit der Natur sind, oder weniger Gepäck mitzuführen, damit die Transportmittel weniger Abgase ausstoßen.” Ach so.

Die Meldung war gut terminiert. Gerade rechtzeitig zum Abschlussgottesdienst des Weltjugendtages mit dem Papst in Sydney, Australien, konnten deutsche Zeitungen die sicherlich gut gemeinten Ratschläge veröffentlichen. Leider waren zu diesem Zeitpunkt schon alle Gäste dieses Glaubens-Festivals angereist. Die wenigstens wohl aber zu Fuß. Die Kunst, über Wasser zu gehen, wird auch in religiösen Kreisen nur noch von ganz wenigen beherrscht. So liefen die Hinweise wohl ins Leere.

Wahrscheinlich um sich von seiner Dienstreise zu erholen, flog der Papst dann zurück nach Italien um sich sofort in Brixen/Südtirol/Bressanone/Norditalien von den Anstrengungen (Mitwirkung an Gottesdiensten, Zuhören bei Privatkonzert, Anrichten von Massenaufläufen, dem Herzen überreichter Kinder – dieses Thema würde jetzt zu weit führen) zu erholen. Ach ja Italien:

Der Papst liegt im Trend. Nach der 24. Deutschen Tourismusanalyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen bleibt Italien eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen. Wer besonders viele Deutsche grünen Glaubensbekenntnisses antreffen möchte, sollte sich in jedem Fall in Italien aufhalten oder noch besser in Frankreich. Nach der Studie haben besonders Liberale das Wunschreiseziel USA. Grüne zieht es eher nach Frankreich. Mit der besonders hohen Dichte an Kernkraftwerken im westlichen Nachbarland kann das wohl kaum zusammenhängen. Immerhin bietet das süße Leben Frankreichs gute Voraussetzungen, das ökologische Elend in Deutschland zu vergessen.

Offenbar scheint der Drang ins Grüne noch nicht alle Lebensentscheidungen durchdrungen zu haben. Der Optimist würde sagen: Es besteht also doch die Hoffnung, dass grüne Sympathisanten nicht alles, was ihr favorisierte Partei in Deutschland an Verbotsfantasien und Risikoaufklärung betreibt, sonderlich ernst nehmen. Das freilich spricht nicht für die Gesinnungstreue zum ganzheitlichen Anspruch grüner Gemeinplätze und muss also verworfen werden.

Auffällig bleibt immerhin, dass es sich offenbar auch für Grüne am besten da urlauben lässt, wo grüne Ideen sich allenfalls in Salatvariationen und weniger in täglicher Politik niederschlagen. Von größeren Erfolgen grüner Politik in Italien und Frankreich ist uns jedenfalls zuletzt nichts bekannt geworden. Wenn das kein Reisetipp ist. Also nichts wie hinein ins Savoir Vivre in Bella Italia.

Alles nur geklaut

Die CSU tagt in Nürnberg. Sie nennt das Parteitag. Interessante Debatten sind eher nicht zu erwarten. Erste Stellungnahmen der Parteiführung deuten eher darauf hin, dass hier der grandiose Versuch bevorsteht, Millionen rechtschaffene Bayern über das Wesen dieser letzten Einheitspartei Europas hinwegzutäuschen: Bis in einzelne Formulierungen hinein, hat Günther Beckstein die Argumentation der FDP übernommen als er “mehr Netto” forderte. Nach zu vielen Jahrzehnten absoluter Mehrheit ist die CSU offenbar inhaltlich so sehr ausgebrannt, dass sie nicht einmal ihr Parolen selbst erfindet.

Dringend scheint hier eine intellektuelle Frischzellenkur erforderlich. Es wird Zeit, dem bayerischen Löwen Beine zu machen. Als die FDP vor zehn Jahren die Landeskinder im weiß-blauen Freistaat einmal mit Plakaten aufforderte mit ihrer Stimme für die FDP zu wählen, was Edmund Stoiber in zehn Jahren fordern würde, waren die Plakate sehr schnell verschwunden. Ob dabei Stoibergetreue die Hand im Spiel hatten, kann niemand sagen.

Wer allerdings glaubt, die CSU würde wegen ihrer Inhalte gewählt, zieht vielleicht zu kurze Schlüsse: Wer so vernetzt ist, wie die Christsozialen braucht keine Themen. Wer alle Schaltstellen in Politik, öffentlich-rechtlichem Bezahlfernsehen und einflussreichen Organisationen mit den Seinen besetzt hat, verfügt über andere Mittel. Deshalb sollte man die Reorganisationskraft der CSU auch nicht unterschätzen.

Das sie neuerdings für steuerliche Entlastungen eintreten, ist wenig glaubwürdig:

Für die schwarz-rote Koalition gilt da eher: Drei Jahre regiert, drei Jahre ist nichts passiert. Im Gegenteil, die CSU hat alle Steuererhöhungen mitgetragen.

Wer ernsthaft an steuerlichen Entlastungen interessiert ist, sollte nicht auf die CSU setzen. Sie mag in Bayern 40, 50 oder 60 Prozent erreichen, in der Berliner Koalition erreichen ihre “Spitzenkräfte”, wie hießen die doch gleich, gar nichts.
Zumindest nicht wenn es um Steuersenkungen geht.

Aber bleiben wir optimistisch und kommen zu einem versöhnlichen Abschluss: Wenn die CSU in Ermangelung eigener verlässlicher Standpunkte heute christlich, morgen sozial, übermorgen liberal ist, dann ist das für die FDP nur von Interesse, solange am Ende für die Bürger mehr finanzielle Bewegungsfreiheit resultiert.

Wer der CSU Lernfähigkeit oder gar eigene Überzeugungen zutraut, ist wirklich naiv. Die CSU ist in gewisser Weise wie die Märchenschlösser König Ludwigs: Elemente aus verschiedenen Quellen werden so montiert, dass eine beeindruckende Scheinwelt entsteht, die – das ist wahr – auch ihr Publikum findet. Aber es bleibt wahr: Huber und Beckstein sind nicht originell. Für ihre wesentlichen Forderungen gilt: Es ist alles nur geklaut.

Es gibt ein Mittel gegen diese Produktpiraterie: das Original mit nachhaltiger Qualitätsgarantie. Die FDP